Komponist, Organist, Musikdirektor

*07.03.1908 in Sachseln (OW), †17.10.1985 in Locarno (TI), von Alpnach (OW), katholisch, Sohn des Julius Garovi, Baumeister, und der Berta, geborene Omlin. ⚭Maja, geborene Matt von Mauren (FL). Vater von drei Kindern.
Josef Garovi verbrachte seine Kindheit im Bruderklausen-Dorf Sachseln. Die Familie stammt ursprünglich aus Bissone im Tessin. Unter seinen Vorfahren finden sich Architekten und Baumeister, darunter auch Francesco Borromini. In der Familie wurde viel musiziert, vor allem Ländlermusik. Der Dorflehrer Joseph Staub unterrichtete Garovi am Klavier und an der Klarinette. Mit vierzehn Jahren gewann er bei einem Musikwettbewerb am Zürcher Konservatorium einen ersten Preis im Klarinettenspiel. Während der Kollegiumszeit in Sarnen spielte er im Schülerorchester bei Opernaufführungen die Soloklarinette.
Kaum fünfzehnjährig studierte er an der Organistenschule in Luzern bei Franz Joseph Breitenbach. Mit 19 Jahren immatrikulierte er sich am Conservatoire de Musique in Neuenburg und studierte dort Klavier in der Konzertausbildungsklasse Georges Humbert und belegte als weitere Hauptfächer Orgel (Charles Faller) und Violine. 1930 erwarb er das Diplom für Dirigieren und unterzog sich mit Erfolg der Examina für Komposition und Formenlehre (bei Paul Benner und Humbert). Im Anschluss an sein Studium erhielt er einen Lehrauftrag für Musiktheorie und Klavier am Konservatorium Neuenburg.
1930 zog Garovi nach München, wo er während zwei Jahren Komposition bei Joseph Haas und Kirchenmusik beim Münchner Domkapellmeister Ludwig Berberich studierte. 1932 machte er das Staatsexamen. Im Winter 1933/1934 besuchte er in Paris am Conservatoire einen Improvisationskurs bei Marcel Dupré und vervollkommnete sein Klavierspiel bei Vlado Perlemuter an der École normale.
In die Schweiz zurückgekehrt, wurde er Musiklehrer und Organist am Kollegium in Sarnen und übernahm einen Lehrauftrag für Orgelspiel und Theorie an der Organistenschule Luzern; 1948, nach dem Rücktritt des erkrankten Stiftsorganisten Breitenbach, den Garovi an der Hoforgel damals auch vertrat, wurde er Leiter der Organistenschule. In Luzern dirigierte er zudem von 1936 bis 1942 das Luzerner Orchester Fidelio. Die Auftragskompositionen für die nationalen Bruderklausen-Feierlichkeiten in Sachseln von 1934 und 1937 machten ihn als Komponisten und Dirigenten bekannt, so dass er bereits 1937 in einem in Wien erschienenen Kirchenmusiklexikon berücksichtigt wurde.
In den Kriegsjahren war Josef Garovi viel im Militärdienst, anschliessend blieb er Musiklehrer am Kollegium Sarnen und leitete daneben die Harmoniemusik Kerns (OW) sowie den Kirchenchor St. Anton im Grossteil (Giswil OW). 1956 wurde er als Musikdirektor nach Visp (VS) berufen, wo er bis im Herbst 1962 blieb. Wieder in Luzern, wirkte er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1972 als Organist und Chordirigent in Zürich (St. Josef) und Luzern (St. Johannes); er erteilte auch Musikunterricht an den Stadtschulen in Luzern. In Luzern widmete er sich wieder vermehrt dem Komponieren, wozu ihm unter anderem die dortigen Internationalen Musikfestwochen (IMF) viele Anregungen boten.
Garovis Frühwerke sind von der Volksmusik und den örtlichen Musikvereinen bestimmt. So schrieb er Märsche für bestimmte Anlässe der Musikgesellschaft Eintracht Sachseln und 1934 Blasmusik- und Chor-Kompositionen für die nationalen Bruderklausen-Feiern in Sachseln. Bekannt wurde sein Friedensgebet an Bruder Klaus, welches gleichentags am Radio Bern wiedergegeben wurde. Als Komponist musste er dabei Rücksicht nehmen auf die Aufführbarkeit durch Obwaldner Laienmusiker. Diese Werke sind in der Art seines Münchner Lehrers Joseph Haas geschrieben. Für den Orchesterverein Fidelio in Luzern komponierte er ein Orchesterstück (Pièce héroique, 1938 im Kunsthaus Luzern uraufgeführt). Seiner frühen Komponisten- und Musikerkarriere in der Innerschweiz – er wirkte 1938 auch als Organist an der Hoforgel bei den Luzerner Passionsspielen im Rahmen der ersten IMF mit – machte jedoch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ein Ende.
Nach dem Krieg war die Situation in mancher Hinsicht anders. Aufgeschlossene Musiker und Komponisten orientierten sich neu, so auch Josef Garovi: er besuchte 1945 einen Kompositionskurs bei Arthur Honegger in Luzern. In der Folge studierte er Lehrbücher über die Zwölftonmusik; bereits 1950 komponierte er eine Kantate Gesang der Geister über den Wassern mit Zwölfton-Reihen, 1951 eine Toccata, nach Ernst Kreneks Orgelsonate von 1941 das zweite dodekaphonische Werk für das Instrument. Mit einem 1954 komponierten Proprium mit frei gehandhabten Reihen, zählt er neben Lars-Erik Larsson zu den ersten Komponisten, welche zwölftönige Strukturen in liturgischen Kompositionen einsetzten. 1956 verliess er wieder den dodekaphonischen Weg. «Wie für zahlreiche zeitgenössische Komponisten, so bildet auch für Josef Garovi die Reihentechnik eine wichtige Durchgangstufe zu einem freieren Komponieren, das seinem Ausdrucksbedürfnis ein breites Feld öffnet», kommentierte der Musikwissenschaftler Kjell Keller (Keller 1978, S. 17).
Nach 1966 orientierte sich Garovi – nach einer stilistisch eher spätimpressionistischen Phase im Wallis (Orgel-Partita über Veni Creator Spiritus von 1958) – in der Musikstadt Luzern wieder an der seriellen und teilweise sogar mikrotonalen Musik, mit der er durch Hermann Scherchen bereits 1931 in München in Berührung gekommen war. Vierteltöne finden sich bereits 1969 in Garovis Inventiones für Streichorchester und 1979 als zusätzliche Klangfarbe in einer Fantasie für Flöte. In seinen letzten Werken, 1977 bis 1985, griff er wieder – wenn auch nicht vordergründig – auf die Tradition zurück, etwa mit einem Beethovenzitat im 2. Satz des Orgelkonzerts sowie der formalen Anlehnung an Bachs Violinkonzert in a-Moll, BWV 1041, im unvollendeten Streichquartett. Letzteres wurde posthum an den ersten Osterfestspielen der IMF Luzern uraufgeführt.
«Während seine Frühwerke stark von der Münchner Schule geprägt sind, fand eine Wendung über den Impressionismus – offenbar angeregt durch einen Kompositionskurs bei Arthur Honegger – zur seriellen Schreibweise statt, die Josef Garovi aber in freier und ungezwungener Art und Weise ausübt, weil ihm das Klangliche stets als oberstes Prinzip gilt.» Anton Saladin, «Laudatio zur Verleihung der Lasso-Medaille an J. Garovi in Luzern», Katholische Kirchenmusik 102, H. 4 (1977): 140.
«Im Zentrum des dreiteiligen Programms des Melos-Quartetts [Osterfestspiele IMF 1988] stand ein Werk des in Sachseln geborenen Josef Garovi (1908–1985). Uraufgeführt wurde das unvollendete Streichquartett aus dem Jahr 1985. Es war die letzte Arbeit des Komponisten […]. Bei aller Vielfalt der Bezüge klingt der stark melodiöse geprägte Satz stilistisch geschlossen und persönlich eigengeprägt. Bestimmt wird die Textur durch eine frei gehandhabte Zwölftonreihe, deren zweite Hälfte eine (transponierte) Umkehrung des ersten ist. Bei den Intervallen dominieren neben Halbtonschritten die kleine Terz und die grosse Septime. Eine solche selektierende Disposition wirkt zusätzlich stilprägend. Eine ähnliche Wirkung übt die symmetrisierende Formanlage aus. Im Bach-Jahr 1985 entstanden, war diese Arbeit auch als Bach-Hommage gedacht. Dem Quartett liegt die Idee der Ritornellform von Bachs a-Moll-Violinkonzert zugrunde.» Rolf Urs Ringger, «Osterfestspiele Luzern: Repertoire und eine Uraufführung. Das Melos-Quartett im Hotel Schweizerhof», Neue Zürcher Zeitung, 13.03.1988, 28.
Vollständiges Werkverzeichnis unter https://josefgarovi.ch/werkverzeichnis/vokalmusik.
Angelo Garovi: "Garovi, Josef", in: Musiklexikon der Schweiz, Version vom: 07.07.2026. Online: http://mls-dms.ch/view/garovi-josef-sn8G. Konsultiert am 09.07.2026.