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Schell, Karl

Kirchenmusiker, Dirigent, Komponist

Karl Schell, Archiv St. Clara Basel. Foto: Tastendruecker123, 2017 / Wikimedia Commons.

CC BY-SA 4.0

*26.01.1864 in Freiburg i. Br. (D), †11.04.1936 in Basel, von Basel, römisch-katholisch. Sohn des Jakob Schell, Inhaber einer Posamenterie und der Josefine Schell-Glattfelder. ⚭1889 Anna Klara Enderlin (1857–1924), ⚭1925 Augusta Hilpert (1887–1973).

Schells musikalische Ausbildung begann als Sänger im Domknabenchor in Freiburg i. Br. Ab 1879 besuchte er die dortige Kirchenmusikschule und erhielt Violin-, Klavier- und vor allem Orgelunterricht. Während seines Militärdienstes als Militärmusiker im Jahr 1884 erwarb Schell vertiefte Kenntnisse in Komposition und Instrumentierung. Ab 1885 besuchte er die Regensburger Kirchenmusikschule. 1896 wurde Schell als Chorleiter und Organist an die St. Clara-Kirche in Basel berufen, wo er bis zu seinem gesundheitsbedingten Rücktritt 1929 verblieb. Daneben leitete Schell 1892–1922 den Basler Musik-Verein (heute Stadtmusik Basel), zu dessen Ehrendirigent er ernannt wurde.

Schell komponierte zahlreiche kirchliche Chorwerke, darunter ein Te Deum für Chor und das ebenso ungedruckt gebliebene O salutaris hostia für Chor und Orgel. Ausserdem schrieb Schell Märsche und Unterhaltungsmusik für Blasorchester. Im Blasmusikwesen amtete Schell zudem als Kampfrichter an Musikfesten.

1912 arrangierte Schell im Auftrag des Basler Fasnachts-Comités die bekannten Basler Fasnachtsmelodien Morgenstreich, Aeschlemer, die Alten Schweizer Märsche sowie Arabi als dreistimmige Sätze. Obgleich schon vor Schell dreistimmige Aufführungen von Pfeifermärschen belegt sind, stellen seine 1913 veröffentlichten Arbeiten die ersten gedruckten dreistimmigen Sätze dar. Seine Arrangements werden bis heute gespielt.

1926/27 arrangierte er aus bekannten Festspielmelodien Hans Hubers und Hermann Suters die Basler Festspielmärsche. Auf Anregung des Pfeifers Emil «Migger» Jeisi komponierte er 1930 den Fasnachtsmarsch Glopfgaischt. Die meisten Märsche aus Schells Hand werden heute noch oft gespielt. Die Bedeutung von Schells Beitrag zur Entwicklung des Piccolospiels an der Basler Fasnacht muss als hoch eingeschätzt werden.

Autori/autrici: Christian Zingg, versione del 24.04.2026

Quellen

Literatur

  • Duthaler, Georg, Urs Ramseyer, Christoph Kreienbühl, und Brigitte Bachmann-Geiser. Vom Trommeln und Pfeifen. Basel: Ed. Riannon, 1986.

Werke (Auswahl)

Kirchenmusik

  • O salutaris hostia. Für Chor und Orgel. Basel: Musikhandschrift, [192-?].
  • Jesu dulcis memoria. Hymnus für Chor und Orgel ad lib. Basel: Musikhandschrift, [192-?].
  • Veni Creator, op. 35, Nr. 1–4. Für vier- bis sechsstimmigen gemischten Chor. Einsiedeln: Ochsner, [s. d.].

Fasnachtsmusik (Piccolomärsche)

  • Die alten Schweizermärsche, arrangiert für zwei oder drei Piccolo. Basel, 1912.
  • Morgestraich, arrangiert für zwei oder drei Piccolo. Basel, 1912.
  • Aeschlemer, arrangiert für zwei oder drei Piccolo. Basel, 1912.
  • Arabi, arrangiert für zwei oder drei Piccolo. Basel, [s. d. ].
  • Basler Festspielmärsch, arrangiert für zwei und drei Piccolo. Basel: Hug, 1927.
  • Glopfgaischt. Fasnachtsmarsch für drei Piccolo. Basel: Hug, [1930].

Märsche und Blasmusik

  • Festliches Vorspiel zu einer patriotischen Feier. Für Harmoniemusik. Zürich: Hug, 1909.
  • Hie Basel, hie Schweizerboden! Offizieller Festmarsch für das XV. Eidgenössische Musikfest in Basel 1909, für Blech- und Harmoniemusik. Zürich: Hug, [1909].
  • Für Vaterlandes Ehr'! Militärisches Potpourri. Wädenswil: Max Ringeisen; W. Saner, [nach 1920].

Arrangements für Blasmusik-Ensembles

  • Schubert, Franz. Ouverture im italienischen Stile (C-Dur), op. 170. Jubiläumsausgabe. Dornach: W. Saner, [zwischen 1920 und 1930].
  • Strauss, Johann. Tausend und eine Nacht. Walzer, op. 346. Dornach: W. Saner, [zwischen 1920 und 1930].
  • Strauss, Johann. Kaiser Walzer, op. 437; «Glücklich ist, wer vergisst», Polka Mazurka aus Die Fledermaus, op. 368. Dornach: W. Saner, [zwischen 1920 und 1930].
  • Suppé, Franz von. Karneval. Ouverture. Basel: Karl Schell, [zwischen 1930 und 1936?].
  • Mozart, Wolfgang Amadeus. «Romanze aus der 10. Bläser-Serenade»; «Menuetto aus der 11. Bläser-Serenade». Zürich; Leipzig: Gebr. Hug, [1935].

Vokalmusik

  • Schweizer-Lieder. Für gemischten oder Männerchor. Ausgabe A für gemischten Chor. Basel: Karl Schell; Commissionsverlag M. Pohl, [zwischen 1890 und 1910?].
  • Drei Männerchöre, op. 15. Texte von Karl Stieler («Sonnenwende»), A. Vogt («Maienwonne») und F. Rohrer («Gott schütze dich, liebes Heimatland»). Zürich: Hug, 1898.

Volksliedsammlungen

  • Lieder unserer Heimat! 100 Schweizer Volks- und Vaterlandslieder zum Singen und Spielen für Piano. Hrsg. Basel: Max Pohl-Wohnlich, 1904.

Citazione suggerita

Christian Zingg: "Schell, Karl", in: Dizionario della musica in Svizzera, Versione del: 24.04.2026. Online: http://mls-dms.ch/view/schell-karl-qmCE. Consultato il 25.05.2026.