Dictionnaire de la
musique en Suisse

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Tschudin, Heinrich

Basler Tambour und Fasnachtsmusiker

Porträt aus der Sammlung von Heiri Tschudin im Archiv der Alte Stainlemer.

*09.12.1920 in Basel, †26.07.1997 in Basel, von Basel. In der Fasnachtsszene bekannt unter dem Namen «Heiri». Sohn des Heiri Tschudin-Lyrenmann, Maschinenschlosser. ⚭1953 Greti Bianchi. Vater von Beat (*1963).

Tschudin war Laborgehilfe, seit 1947 dipl. Laborant, Farben-Chemie bei der Ciba (später Ciba-Geigy). Tschudin widmete einen grossen Teil seiner Freizeit dem Tambourenwesen. Seit 1937 war er Mitglied der Fasnachts-Clique Alti Stainlemer und erlernte bei Paul «Bolle» Leder das Trommelspiel. Später war er von 1940–1960 Instruktor der Junge Stainlemer und 1944–1952 sowie 1954–1958 Tambourenchef der Alte Stainlemer.

Tschudin komponierte verschiedene Trommeltexte zu Märschen, so etwa Ryslaifer (1937), Z Basel an mym Rhy (1942, beide wohl nach den Vorgaben des Komponisten Karl Roth) sowie zu weiteren, weniger bekannten Märschen. Er war Urheber von innovativen musikalischen Auftritten am Monstre-Trommelkonzert (so 1947 mit Schlegelwerfen, 1951 Sam-Sam mit erstmalig verwendeten amerikanischen Melodien, was in der Basler Fasnachtswelt auf heftige Kritik stiess).

Tschudin war 1937 am 8. Eidgenössischen Tambourenfest in Luzern Mitglied der Tambourengruppe der Alte Stainlemer, die als erste Basler Formation an einem eidgenössischen Anlass teilnahm. In der Folge beteiligte sich Tschudin während 40 Jahren an eidgenössischen und regionalen Tambourenfesten. Dabei gewann er in der Einzelkonkurrenz sieben Kränze, in der Gruppenkonkurrenz neun erste und zwei zweite Plätze. Von 1946–1962 leitete er die Tambourensektion der Stainlemer. Tschudin engagierte sich auch im Tambourenverband. Zwischen 1956 und 1972 amtete er an eidgenössischen und regionalen Tambourenfesten als Kampfrichter. Daneben erteilte er Kurse, beispielsweise 1959 in Gossau zum Thema «Basler Trommeln». Er trug mit seinem Engagement wesentlich dazu bei, dass sich das baslerische und das schweizerische Trommelwesen annäherten.

Tschudin entwarf eine eigene Trommelschrift, mit der er eine Synthese zwischen der Berger-Notation und der sogenannten Hieroglyphenschrift herstellen wollte. Gleichzeitig verfasste er eine umfangreiche Trommelschule, inklusive einer Geschichte des Trommelns. Diesen Bemühungen war aber kein Erfolg beschieden; sein Werk wurde nie gedruckt oder veröffentlicht. Seit den 1950er-Jahren legte Tschudin eine umfangreiche Sammlung von in- und ausländischen Trommel- und Pfeifermärschen sowie von Berichten über die Fasnacht an. Diese Sammlung, welche über 50 Bände umfasst, ist heute Teil des Archivs der Alte Stainlemer. 1954 wurde Tschudin zum Ehrenmitglied der Alte Stainlemer ernannt.

Auteur(s): Christian Zingg, dernière modification 06.05.2026

Nachlass

Umfangreiche Sammlung zur Fasnacht und zur Trommelkunst, u.a. Sammlung von Märschen aus aller Welt, im Archiv der Fasnachts-Clique Alte Stainlemer.

Verwendete Literatur

  • sam. «Zum Gedenken: Heiri Tschudin». Basler Zeitung, Nr. 193, 21.08.1997.
  • Zingg, Christian. «Im Gedenken an Heiri Tschudin jr. (1920–1997)». Blasmusikzeitung, Nr. 17, 15.09.1997.

Suggestion de citation

Christian Zingg: "Tschudin, Heinrich", in: Dictionnaire de la musique en Suisse, Version du: 06.05.2026. En ligne: http://mls-dms.ch/view/tschudin-heinrich-neMv. Consulté le 25.05.2026.